Flächendeckend verunsichern

Nachdem die Tagesschau zunächst nicht über den Mord an einer Freiburger Studentin berichtet hatte, war die Aufregung in den sogenannten „sozialen Medien“ mal wieder riesengroß. Da ein 17-jähriger Jugendlicher als Verdächtiger festgenommen worden war, der offenbar aus einem asiatischen Kriegsgebiet nach Europa geflüchtet ist, wurde der Tagesschau vorgeworfen, sie würde Nachrichten über Verbrechen von „Asylanten“ systematisch unterdrücken.

Dass die Tagesschau generell über Verbrechen nur dann berichtet, wenn sie einen politischen oder terroristischen Hintergrund haben wurde dabei freilich unter den Teppich gekehrt. Genau so wie die Tatsache, dass es hierzulande guter Sitte ist, über von Jugendlichen begangenen Straftaten generell möglichst wenig zu berichten, analog zum Jugendstrafgesetz, dass die Öffentlichkeit bei Jugendstrafverfahren ausschließt. (Dass einigen Schmierenmedien den Begriff „guter Sitte“ völlig unbekannt ist, lassen wir hier mal außen vor.)

Als die Aufregung ihrem Höhepunkt zusteuerte, ließen einige der in solchen Sachen gerne auffälligen Politikern es sich nicht entgehen, umgehend die Bestrafung der Verantwortlichen in der ARD zu fordern. Die Akzeptanz beim Stammtisch hat bei jenen Politblökern nach wie vor höchster Priorität, vor Anstand und Sachlichkeit.

stammtisch

Okay, folgen wir mal für einen Moment die Stammtisch-Logik, wonach auch in der Tagesschau umgehend über alles zu berichten sei, das entfernt nach einer Gewalttat riecht, die von einem „Flüchtling“ verübt sein könnte. Was würde das konkret bedeuten?

Zunächst würde das bedeuten, dass die Tagesschau künftig nicht fünfzehn, sondern mindestens neunzig Minuten dauern müsste, um das Deutsche Volk täglich zumindest einigermaßen von möglicherweise durch einem Flüchtling verübten Straftaten in Kenntnis zu setzen.

Nee, Moment mal, Irrtum! Seit wann machen wir denn ein hysterisches Gezeter wenn ein Junge oder ein Mann Opfer einer Gewalttat geworden ist? Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist ein mediales Leckerli. Die laut Polizeistatistik mehr als zehnfach häufigere Gewalt gegen Jungen und Männer ist doch völlig uninteressant. Seit wann interessiert es denn der Öffentlichkeit, wenn Jungen oder Männer krankenhausreif geschlagen, vergewaltigt oder getötet werden? Nein nein nein, mit so etwas wollen wir uns doch gar nicht erst befassen. Wo kämen wir denn dahin?

Okay, wenn wir die Meldungen auf weibliche Opfer beschränken, würde das die Meldungen über möglicherweise von geflüchtete Menschen verübte Gewalttaten freilich schon um 75% reduzieren. Zeit ist Geld und das soll man nicht an etwas so Unwichtigem wie Jungen oder Männer vergeuden. Aber dass die verbleibenden Tagesschaumeldungen zunächst einmal auch all jenen betreffen würde, die völlig zu unrechte verdächtigt werden, sollte man vielleicht doch auch mal kurz bedenken.

WAAAAAS … ??? Zu unrechte verdächtigte Flüchtlinge die sich nachher als völlig unschuldig herausstellen? Flüchtlinge sind per se schuldig, das dürfte doch wohl allen braven Stammtischbrüdern und RTL-Fans zweifelsfrei klar sein. Unschuldige Flüchtlinge, so ein Quatsch! Und dass es sich bei manch einem Verdächtigten um einen Jugendlichen handelt, ist so was von pippi. Als ob nicht jedermann wüsste, dass diese asiatische und afrikanische Rotzlöffel allesamt schon mit spätestens dreizehn ihre erste Vergewaltigung hinter sich haben. Vor dem Pack kann gar nicht früh genug gewarnt werden. Auch im Fernsehen. Logo! Man will ja schließlich informiert werden. Wenn ’s denn sein muss auch von der Lügenpresse.

Ob der Redaktion der Tagesschau dann noch genügend Zeit bliebe, um über das wirklich wichtige Geschehen in der Welt zu berichten? Blödsinn! Deren Gelaber ist doch sowieso komplett gelogen.

Oder etwa doch nicht ?


CAROLA EMCKE UND DIE LOSLIPPIGEN IDIOTEN

Carolin Emcke hat, wie mittlerweile wohl fast jedermann weiß, den diesjährigen deutschen Friedenspreis des deutschen Buchhandels zuerkannt bekommen. Es sei ihr gegönnt.

Über die Weise, wie die Auswahl des Trägers vom jeweils aktuellen Friedenspreis vonstattengeht, bzw. welche Kriterien dabei zur Anwendung kommen, könnte man eine blitzgescheite Kolumne verfassen. Aber das lass ich heute mal sein. Manchmal ist es doch gescheiter, nicht alles zu veröffentlichen, was man denkt.

Selbstverständlich hat die gute Carolin Emcke nach Erhalt dieser Auszeichnung eine ordentliche Dankesrede gehalten. Das gehört sich so. Auch wenn, wie man so hört, der Bob Dylan dazu etwas anderer Ansicht zu sein scheint. Die Rede war auch nicht so fürchterlich lang, sodass all jene, die sie nicht live gehört haben, sie, ohne sich allzu sehr anzustrengen, relativ leicht nachlesen können. Zum Beispiel bei der Süddeutschen Zeitung, die sowas gerne mal in Wortlaut abdruckt. Siehe dazu http://www.sueddeutsche.de/kultur/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-wir-duerfen-reden-halten-in-der-paulskirche-aber-heiraten-duerfen-wir-nicht-1.3218297

Im Großen und Ganzen könnte man schon sagen, dass die Emcke mit so ziemlich allem, was sie in dieser Rede verlauten ließ recht hat. Es waren ja auch fast ausschließlich Selbstverständlichkeiten, von denen ich mich frage, wozu sie in einer Dankesrede überhaupt erwähnt werden müssen. Aber gut, heutzutage scheinen einige Selbstverständlichkeiten der humanistischen Lebensart im europäischen Raum wohl doch etwas gelitten zu haben. Weshalb es vielleicht doch nicht so ganz abwegig ist, einige davon noch mal kurz zu erwähnen.

Dennoch fühle ich mich genötigt Frau Carolin Emcke in einem Punkt zu widersprechen. Stopp, falsch, ich will sie nicht widersprechen. Denn es geht hier nicht um etwas, dass sie explizit gesagt hat. Sie hat lediglich etwas angedeutet, ohne es explizit auszusprechen. Allerdings hat wohl jeder, der diese Rede gehört oder gelesen hat, durchaus gut verstanden, was sie hier angedeutet hat. Aber dadurch, dass sie es nur angedeutet aber nicht explizit gesagt hat, ist es wohl ziemlich unbemerkt durch die Lappen gegangen, dass die Emcke uns hier etwas unterschoben hat, das nicht so ganz selbstverständlich ist. Weshalb ich dem zwar nicht widersprechen kann, aber doch es zu ergänzen mich genötigt fühle.

carolin_emckeIm Rahmen einiger Absätze, in denen Carolin Emcke sich mit Menschenrechten, individuelle Lebensentwürfe und Ausgrenzung befasst, finden wir den Satz: „Wir dürfen Reden halten in der Paulskirche, aber heiraten oder Kinder adoptieren dürfen wir nicht?

Was Carolin Emcke damit meint, scheint mir ziemlich klar zu sein: Menschen, die einen anderen als im Gemeinwesen durchschnittlich gelebten Lebensentwurf hegen, können zwar wegen ihrer Leistung hohe Auszeichnungen erhalten, aber manche völlig selbstverständliche Rechte werden ihnen dennoch von der Gesellschaft vorenthalten.

Recht hat sie, die Carolin Emcke. Von selbstverständlichen Rechte Gebrauch zu machen, ist nicht jedermann einfach mal so gestattet. Auch nicht im ach so demokratischen West-Europa. Zum Beispiel darf ein jeder, Mann, Frau oder Kind, wann oder wo immer es ihnen gutdünkt, sich ein Tuch über die Haare legen. Nur wenn diese Person eine Moslima ist, darf sie das eben nicht. Zumindest nicht überall. Denn bei der Moslima gilt dieses Tuch mindestens mal als aufdringliche religiöse Missionierung, wenn nicht gar als Solidaritätsbekundung mit finsterbösen Terroristen. Es hat auch niemand etwas dagegen, wenn meine Bäckersfrau oder meine Oma sich, in einem mehr oder weniger sauberen Overall gekleidet, in die salzigen Fluten europäischer Anreinermeere stürzt. Es sei denn, es handelt sich wiederum um eine Moslima. Dann nämlich geht die schreckhafte Öffentlichkeit ganz selbstverständlich davon aus, dass Oma oder Bäckersfrau als Nächstes einen perfiden Bombenanschlag verüben wird. Eine akute Gefahr, die am wirksamsten dadurch zu begegnen sei, dass die besagte Person ihren Overall ablegt. Bestechend logisch, oder?

Wie gesagt, im Großen und Ganzen hat sie recht, die Emcke. Allerdings nur im Großen und Ganzen und nicht im Detail. Denn da hat Frau Emcke etwas nicht gänzlich unwesentliches übersehen.

Nun gehört freilich ein gerüttelt Maß an Chuzpe dazu, eine Friedenspreisträgerin zu kritisieren, wenn man nicht mindestens ein renommierter Literat ist. Zwar haben Friedenspreisträger/innen nicht immer recht und können, wie die Geschichte zeigt, durchaus auch mal einen Sturm der gepflegten Entrüstung entfachen. Das gilt allerdings nicht, wenn die betreffende Friedenspreisträgerin a) Jüdin, b) Lesbe und c) ausgewiesene Feministin, und zwar all das gleichzeitig ist.

S O    J E M A N D    K R I T I S I E R T    M A N    N I C H T   ! ! !

Zumindest dann nicht, wenn einem daran liegt, von seiner Fangemeinde auch künftig geliebt, umsorgt und gehätschelt zu werden und unter den einflussreichen #aufschrei-TwitterInnen des Landes nicht unnötig Aufsehen zu erregen.

Blöd nur, wenn einem an all dem nicht so arg viel liegt.

Dann neigt man schon mal dazu, trotz unmissverständlicher Warnung aus dem Freundeskreis, eine zugegebenermaßen völlig indiskutable Kritik an Frau Emcke der Öffentlichkeit preiszugeben. (Kommt mir später nicht damit, ich sei nicht hinlänglich gewarnt worden.)

Carolin Emcke hat freilich völlig recht, wenn sie andeutet, ihr als bekennende Lesbe die Erlaubnis, einer anderen Frau zu heiraten, vorzuenthalten, sei ein glatter Verstoß gegen die Menschenrechte. Keine Diskussion. Es ist ausschließlich Carolin Emcke überlassen, zu entscheiden, wen sie lieben will und mit wem sie ihr Leben in guten und in schlechten Tagen teilen mag. Außer ihr und ihrer Gefährtin geht das keinem auch nur einen Furz an. Alldieweil das ausschließlich sie selbst und ihrer Gefährtin betrifft und das überdies – außer allenfalls sie selbst – absolut niemandem irgendeinen Schaden zuzufügen vermag. Wem es nicht gefällt kann ja wegschauen.

Etwas anders liegt es allerdings bei der Frage der Adoption. Carolin Emcke deutet an, dass ihr und ihrer Partnerin eine Adoption lediglich aufgrund ihrer lesbischen Beziehung vorenthalten wird. Das aber ist nicht die ganze Wahrheit. Denn eine Adoption betrifft nicht nur die Adoptionseltern, sondern ganz vorneweg auch das zu adoptierende Kind.

Nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch das hiesige verfasste Recht gibt ganz klar vor, dass bei allen Angelegenheiten einer Adoption betreffend einzig und allein das Wohl des zu adoptierenden Kindes zu beachten sei. Alle anderen Aspekte der jeweiligen Situation sind hier absolut nachrangig. Nichts anderes als einzig und allein die Frage, ob die beabsichtigte Adoption dem Wohl des Kindes dient, soll die Entscheidung über die Genehmigung zur Adoption beeinflussen. Was nichts anderes bedeutet als die Frage: Wäre eine Adoption durch das sich bewerbende Paar dazu geeignet, das Kind in allen Aspekten seiner Persönlichkeit zu fördern und zu einer harmonischen, sowohl psychisch als auch physisch als auch sozial gleichgewichtigen Persönlichkeit heranwachsen zu lassen.

Selbstverständlich sind dabei, neben Fragen des Alters, der Gesundheit, der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, der bisherigen Lebensführung, etc., auch zahlreiche Aspekte des jeweils eigenen individuellen Lebensentwurfs der potenziellen Adoptiveltern von Belang. Darunter auch Fragen nach der Religion, der Bildung, des Berufsstandes, der gesellschaftlichen Integration und vieles andere.

Nun kann man sich zurecht fragen, was in aller Welt die Frage nach der sexuellen Orientierung der Eltern dabei zu suchen habe. Schließlich fragt da auch keiner danach, welche Arten sexueller Praktiken die Bewerber so bevorzugen. Was ginge es der Adoption-Behörde denn an, ob die Adoptiveltern ein schwules oder lesbisches Paar sind.

Auch steht nicht zur Debatte, ob einem gleichgeschlechtlichen Paar unterstellt wird, dem Kind Schaden zuzufügen. Gleichgeschlechtliche Eltern mit durchschnittlich gelungener Sozialisation werden dem Kind genau so wenig Schaden zufügen wie andere Eltern. Wie denn auch. Das Zusammenleben mit gleichgeschlechtlichen Eltern schadet dem Kind genau so wenig wie das Zusammenleben mit Eltern, die in anderer Weise, sei in ihrer privaten, sei es in ihrer öffentlichen Lebensführung von der Mehrheit der Bevölkerung abweichen. Zumindest dann nicht, wenn sie diese Besonderheit in einer psychosozial gesunden Weise zu leben imstande sind.

Was in aller Welt stünde einer Adoption durch ein gleichgeschlechtliches Paar denn im Wege, wenn die ansonsten völlig „normal“ sind?

Leider können wir es uns – da es hier tatsächlich ausschließlich um das Wohl des Kindes und nicht um das Wohl der Eltern geht – nicht ganz so einfach machen. Denn immerhin ist es beim Aufziehen eines Kindes keineswegs unbedeutend, ob das Kind einen Vater und eine Mutter oder lediglich zwei Väter bzw. zwei Mütter hat. Mögen die potenziellen Eltern sich noch so sehr aus der klassischen Geschlechterrolle befreit haben, ein Mann bleibt im Auge eines Kindes nun mal ein Mann und eine Frau bleibt im Auge eines Kindes eine Frau. Soviel ist mal sicher.

Ich weiß, ich weiß, durchgegerbte Genderfeministinnen sind da gänzlich anderer Meinung. Alldieweil sie felsenfest davon überzeugt sind, dass das Geschlecht ein rein und ausschließlich soziales Konstrukt sei, das einem lediglich anerzogen würde. Ach Leute, erzähle das doch mal eurer Katze, euren Hund oder euer Meerschweinchen. Die wissen es nämlich besser. Eltern, die ihre Kinder mit offenen Augen und ohne Scheuklappen aufziehen übrigens auch. In diesen „postfaktischen“ Zeiten kann man zwar jeden allen wissenschaftlichen Fakten widersprechenden Unsinn verkünden und damit Frontpaginas und Lehrstühle belegen. Aber nicht jeder religiöse Fanatismus kann beanspruchen von der Rechtsprechung umgehend als unwiderlegbares Naturgesetz berücksichtigt zu werden. Ich bin deshalb so frei diesen ziemlich herben Witz der Gendergeschichte einfach mal locker beiseite zu wischen. Wie gesagt, der #aufschrei interessiert mich eher wenig.

Sicher, es gab in den vergangenen Jahrzehnten durchaus hier und dort die Ansicht, dass das Geschlecht der erziehenden Bezugspersonen von wenig Belang sei. Hauptsache, das Kind werde geliebt. Und zweifellos ist auch heute die Liebe in der Erziehung immer noch das weitaus Wichtigste. Allerdings ist man unter Fachleute mittlerweile längst zu der Einsicht gelangt, dass ein Kind sich nur dann störungsfrei und harmonisch zu einem Mann oder einer Frau entwickeln kann, der oder die sich hinlänglich mit dem eigenen Geschlecht identifiziert und eine entsprechende Beziehungsfähigkeit entwickelt, wenn es von weiblichen und männlichen Bezugspersonen gleichermaßen aufgezogen wird. Wenn es in Kindheit und Jugend durchgängig die Möglichkeit hatte, sich einerseits mit der Weiblichkeit der Mutter als auch andererseits mit der Männlichkeit des Vaters zu identifizieren bzw. sich in der Projektion davon abzugrenzen. Und man hat mittlerweile durchaus erkannt, dass z. B. alleinerziehende Mütter oder Väter in dieser Hinsicht alles andere als optimal sind. Weil eben eines der beiden Geschlechter fehlt. Ebensowenig wie Kindergärten und Schulen, an denen die Kinder nahezu ausschließlich von weiblichen Lehrkräften begleitet werden, wie es hierzulande nur allzu häufig den Fall ist.

Am besten gelingt die geschlechtsspezifische Entwicklung selbstverständlich dann, wenn das Kind im Elternhaus mit einem identifikations- und projektionsfähigen Vater und einer identifikations- und projektionsfähigen Mutter zusammenleben kann.

Zwar müssen wir erkennen, dass manch ein Vater und manch eine Mutter, ihrer Lebensführung oder ihres Charakters wegen, kaum als indentifikations- oder projektionstaugliche Eltern gelten können, wenngleich sie ein heterosexuelles Elternpaar bilden. Auch diese Kinder müssen irgendwie zusehen, wie sie auf einer halbwegs erträglichen Weise erwachsen werden. Allerdings sollten wir dann auch nicht übersehen, dass genau dort häufig eine der schwerwiegendsten Ursachen misslungener Sozialisation liegt, die nur allzu häufig zu Kriminalität, psychische Labilität oder dissoziale Lebensführung führen. Und nicht selten kommt in genau diesen Familien das Jugendamt nicht umhin, den Eltern eine sozialpädagogische Begleitung aufzuerlegen oder ihnen gar das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen.

Es lässt sich einfach nicht leugnen, dass es für die Entwicklung einer gesunden Identifikation mit dem eigenen Geschlecht sowie einer störungsfreien Beziehungsfähigkeit zu anderen Männern und Frauen als Erwachsener, erforderlich ist, dass das Kind gleichermaßen von einer zum Vorbild befähigten männlichen und von einer ebensolchen weiblichen Person aufgezogen wird. Wobei das wiederum nicht unbedingt in der Weise eines Elternpaars sein muss. Andere Formen der Beteiligung von Männern und Frauen am Lebensalltag des Kindes mögen dabei durchaus auch sinnvoll sein.

Es liegt auf der Hand, dass die Erziehung eines Kindes in einem Elternhaus das ausschließlich aus zwei Personen des gleichen Geschlechts besteht, diese Voraussetzung nicht erfüllt. Und somit auch nicht den wünschenswert optimalen Garant für die zu erwartenden allseitig harmonischen Erziehung bietet, wie es das Gesetz vorsieht. Aber genau das zu prüfen ist nun mal die Aufgabe der Adoptionsbehörde.

Man könnte noch einwenden, bisherigen Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen, die von einem gleichgeschlechtlichen Paar aufgezogen wurden, hätten weder Rückstände in der schulischen Leistungsfähigkeit noch in der beruflichen Bildung ergeben und zeigen auch sonst keine Auffälligkeiten. Das ist soweit richtig. Allerding geht es hier nicht um die schulische oder berufliche Leistungsfähigkeit, sondern um das Erreichen einer gesunden und harmonischen geschlechtsspezifischen Identität und Beziehungsfähigkeit. Bei näherer Betrachtung zeigt es sich nämlich, dass die weiter oben angeführten Aspekten der Persönlichkeitsentwicklung der untersuchten Probanden in den bis dato vorliegenden Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen in keiner Weise berücksichtigt, geschweige denn gründlich untersucht worden sind. Was auch schwer möglich wäre, da die Entwicklung einer gelungenen Identifikation mit dem jeweils eigenen Geschlecht sowie die gesunde Beziehungsfähigkeit zu anderen Männern und Frauen sich erst in einem Alter zuverlässig messen lässt, in dem die psychosoziale Entwicklung als weitgehend abgeschlossen betrachtet werden kann. Und das setzt voraus, dass Untersuchungen ein diesbezüglich ernstzunehmendes Ergebnis erst dann aufzeigen können, wenn sie bei erwachsenen Personen durchgeführt werden, die ihre Persönlichkeitsreifung weitgehend abgeschlossen haben. Denn erst dann zeigt sich, wie sie tatsächlich mit der eigenen Geschlechtlichkeit zurecht kommen und ob sie tragfähige Beziehungen zu anderen Männern und Frauen unverkrampft einzugehen vermögen. Derartige Untersuchungen liegen jedoch noch überhaupt nicht vor. Bisher wurden eben nur Kinder und Jugendliche untersucht. Wohl auch deshalb, weil es in unserer Gesellschaft noch bei Weitem nicht ausreichend junge Erwachsene gibt, die in einem gleichgeschlechtlichen Elternhaus aufgewachsen sind, als dass man daraus bereits repräsentative Untersuchungsergebnisse hätte ableiten könnte.

Die heutigen Erkenntnisse erlauben es somit nicht, generell davon auszugehen, dass eine Adoption durch ein gleichgeschlechtliches Paar für das Aufziehen des Kindes ebenso gute Voraussetzungen bietet, wie es ein verschiedengeschlechtliches Paar mit ansonsten vergleichbaren Voraussetzungen böte. (Wir wollen hier schließlich keine gesunden Äpfel mit faulen Birnen vergleichen.)

Das hat nun wirklich nichts mit Diskriminierung zu tun. Ein gleichgeschlechtliches und ein verschiedengeschlechtliches Elternpaar bieten unübersehbar nicht die gleiche Basis im Sinne des Kindeswohls, wenn wir die Voraussetzungen für einer harmonischen, geschlechtsspezifischen innerpsychischen Entwicklung und psychosoziale zwischengeschlechtliche Beziehungsfähigkeit mit in Betracht ziehen.

Denn es lässt sich nun mal nicht leugnen, das beim gleichgeschlechtlichen Elternpaar die Repräsentanz eines der beiden Geschlechter schlicht fehlt. Entweder fehlt beim Elternpaar die männliche Repräsentanz oder die weibliche.

Hier geht es nicht darum, ob die Eltern schwul oder lesbisch sind. Denn das wäre in keiner Weise ein Hinderungsgrund. Ein heterosexuelles Paar, das – aus welchen Gründen auch immer – untereinander keinerlei sexuellen Umgang pflegt, außerehelich jedoch jeder für sich gleichgeschlechtliche Beziehungen unterhält, könnte sehr wohl für eine Adoption zugelassen werden. Die sexuellen Präferenzen eines Paars gehen, wie gesagt, der Adoptionsbehörden einen feuchten Kehricht an und dieses Paar wäre mitnichten gehalten, solches dem Amt zu beichten. Es geht hier einzig und allein darum, dass ein gleichgeschlechtliches Paar nicht in der gleichen Weise wie ein verschiedengeschlechtliches Paar die Präsenz sowohl einer männlichen als auch einer weiblichen Identifikations- und Projektionsfigur bieten.

Allerdings ist es auch aus genau diesem Grund keine saubere Lösung, gleichgeschlechtliche Eltern gesetzlich generell von der möglichen Adoption auszuschließen. Wie gesagt, es geht überhaupt nicht darum, ob die Eltern schwul oder lesbisch sind. Es geht nur darum, ob sie die Voraussetzungen zu einer wie weiter oben beschriebenen Entwicklung zur stabilen geschlechtsspezifischen Identität und Beziehungsfähigkeit bieten. Dabei könnten auch weitere Umstände im Umfeld der Adoptiveltern in Betracht gezogen werden. Handelt es sich um ein gleichgeschlechtliches Paar bei dem eine oder mehrere Personen des anderen Geschlechts eng im Leben der Familie einbezogen sind, so stünde einer Adoption u. U. nicht wirklich etwas im Wege. Das können Eltern oder Geschwister oder andere nahe Verwandten der Adoptionseltern sein. Oder ehemalige Partner/innen mit denen das Paar weiterhin im engen Kontakt steht. Oder auch andere Personen des anderen Geschlechts, die regelmäßig in einer vergleichbar intensiven Weise am Familienleben des Paares teilnehmen. Z. B. in einer Wohngemeinschaft oder in sonstige Formen der Lebensgemeinschaft. Und selbstverständlich sollte es sich bei den Adoptionseltern nicht gerade um frauenverachtende Schwule oder männerverachtende Lesben handeln.

Hier ginge es also darum, ohne Scheuklappen realistisch hinzuschauen, welche Voraussetzungen im Umfeld des Paares tatsächlich nachhaltig gegeben sind, die den Vorbehalt des nicht anwesenden Geschlechts auszugleichen imstande wären.

Hierzu bräuchte es lediglich eine Gesetzesänderung, die vorsieht, dass bei der Bewerbung eines gleichgeschlechtlichen Paares als Adoptionseltern, neben der Bewertung der ohnehin üblichen Aspekten ihrer Lebensumstände, auch die nachhaltige Präsenz von geeigneten Persönlichkeiten des beim Paar fehlenden Geschlechts im nahen Umfeld des Paares besonders zu berücksichtigen sei.

Die Beseitigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Adoptionsbewerber wäre damit genüge getan.

Aber machen wir uns nichts vor. Eine solche Gesetzesänderung können wir unter den heute gegebenen Umständen nicht wirklich erwarten. Wir erleben gerade eine gesellschaftliche Entwicklung, die in Sachen Toleranz und differenzierter Sachlichkeit eher rückwärts als vorwärts gerichtet ist. Schon mal gar in geschlechtsspezifischen Fragestellungen scheinen mir die Chancen auf vernunftorientierte Schritte derzeit sehr gering. Hier wird der mediale und politische Diskurs gegenwärtig einerseits von den aufgeblasenen, chauvinistisch-patriarchalischen Träumen prozentual eigentlich unbedeutender Männerhorden in Pegida und AfD bestimmt. Andererseits vom ebenso engstirnigen wie realitätsleugnenden Klüngel fanatischer Genderfeministinnen, denen es gelungen ist, den noch zur Vernunft fähigen Teil der Intelligenzija derart einzuschüchtern, dass ihnen in Politik und Medien heute kaum noch jemand zu widersprechen wagt.

Außer so loslippigen Idioten wie der Ouwe Feniks, der auf bessere Zeiten hofft, aber die zählen nicht wirklich.


I am not convinced ….

 

Das Tragen der Burka, der Niqab und der Burkini seien zu verbieten heißt es. Das seien Symbole einer inhumanen, antidemokratischen, zu Hass und Gewalt aufrufenden und dem Terror verherrlichenden Religion. Das könne man in einer Gesellschaft, die der Demokratie, der Freiheit und der Gleichberechtigung verpflichtet ist, nicht akzeptieren.

Nein, das richte sich nicht gegen den Islam als solche, es richte sich lediglich gegen die inhumane terroristische Ausprägung des Islam, wovon diese Kleidungsstücke unübersehbar Symbole seien. Immerhin werden andere antidemokratische Symbole, wie Hitlergruß, Hakenkreuz oder NS-Fahne hierzulande auch verboten. Wie könne man dann die Symbole des terroristischen Islamismus tolerieren.

Das sei doch ziemlich überzeugend, könnte man meinen.

Bloß, diese Argumentation kann mich nicht wirklich überzeugen. Bei näherem Hinsehen stellt sich hier nämlich die Frage, ob die Aussage, jene inkriminierten Kleidungsstücke seien Symbole des radikalen Islamismus, überhaupt zutrifft. M. a. W. wer bestimmt was Symbole des radikalen Islamismus sind und was nicht?

Ziehen wir doch mal den Vergleich zu den oben erwähnten nationalsozialistischen Symbolen. Hitlergruß, Hakenkreuz und NS-Fahne wurden von den Nationalsozialisten dereinst selbst zu deren Symbolen erkoren und werden bis heute auch von all jenen als deren Symbole betrachtet und hochgehalten, die dieser Ideologie nahe stehen. Also ist es schlüssig, sie in unserem Land in der Öffentlichkeit als antidemokratische Symbole zu verbieten.

Allerdings werden Springerstiefel mit weißen Schuhbändern und Glatzköpfe, die unzweifelhaft ebenso eindeutige Erkennungszeichen von Personen mit jener Gesinnung sind, keineswegs verboten. Es wurde auf der politischen Ebene auch noch niemals die Forderung erhoben, solches zu tun. Obwohl man in aller Regel durchaus davon ausgehen kann, dass ihre Träger zumindest mit einer neonazistischen Gesinnung sympathisieren.

 

Springerstiefel

 

Warum ist das so? Es ist so, weil der Nationalsozialismus die Springerstiefel mit weißen Schuhbänder und Glatzköpfe mitnichten als deren Symbole definiert hat und die Zuordnung zu dieser Gesinnung deshalb nicht zweifelsfrei erfolgen kann. Und weil es ein fundamentaler Unterschied ist, ob jemand möglicherweise einer nationalsozialistische Gesinnung anhängt, oder ob er aktiv mit deren offiziellen Symbolen für diese Organisation wirbt.

Analog könnte man zurecht fordern, dass das Tragen oder Anbringen der Fahne der Taliban oder des sgn. Islamischen Staates in der Öffentlichkeit zu verbieten sei, weil diese Symbole von den Taliban und der IS selbst zu deren offiziellen Symbolen gewählt und regelmäßig gezeigt werden.

Allerdings ließe sich die Behauptung, die Taliban oder der IS oder eine andere islamistische Organisation hätten den Niqab, den Burka oder den Burkini als deren eigene Symbole anerkannt, nicht einmal mit viel Fantasie aufrechterhalten, denn dafür gibt es nicht den geringsten Hinweis. Es lässt sich in Gegenteil leicht nachweisen, dass das Tragen dieser Kleidungsstücke an sich mit dem Islamismus nicht das Geringste zu schaffen hat.

Beim Burkini lässt sich sogar sehr genau nachweisen, dass dieses Kleidungsstück eher in Opposition zu einer strengen Islam-Tradition entwickelt wurde und das Tragen davon unter den Taliban und der IS bei Strafe strengstens verboten ist.

Burka, Niqab und andere Formen der Vollverschleierung gab es lange Zeit bevor es auch nur annähernd so etwas wie Taliban, IS oder andere Formen des terroristischen Islamismus gab. Viele davon wurden und werden auch in Regionen der Welt von Menschen getragen, die nicht das Geringste mit dem Islam oder gar dem Islamismus zu tun haben. Man denke nur an den vielen Hindu-Frauen, die in hinduistisch geprägten Regionen in der Öffentlichkeit regelmäßig das Gesicht verhüllen, sobald sich ein Fremder in ihrer Nähe befindet. Oder an den Tuareg und andere Wüstenvölker, bei denen seit Jahrtausenden Männer wie Frauen das Gesicht bis auf die Augen verhüllen, sobald sie ihre Wohnstatt verlassen.

Wahr ist zwar, dass die Taliban und der IS in den von ihnen beherrschten Regionen allen Frauen bei Strafe verpflichten, eine Vollverschleierung zu tragen. Aber eben so wahr ist, dass in diesen Regionen auch schon vor dem Erscheinen der gewaltsamen Islamisten sehr viele Frauen die Vollverschleierung trugen, weil das eher von einer alten Tradition als wohl von ihrer Religion verlangt wurde.

Die Vollverschleierung ist in Wirklichkeit nur insofern mit den Taliban und dem IS verbunden, als dass diese sie benutzt haben, um die Frauen in ihrem Machtbereich zu disziplinieren. Aber nicht alles, was von einer Terrororganisation zu ihren Zwecken benutzt und missbraucht wurde, kann als Symbol derselben gelten.

Inwiefern sind denn Vollverschleierung und Burkini Symbole des radikalen Islamismus? Nun, sie sind es nicht weil der Islamismus diese Kleidungsstücke als ihre Symbole definiert hätte. Sie sind es lediglich insofern wir in unserer westlichen Welt solche Textilien zu Symbolen des Islamismus erklären.

Allerdings ist die Zuordnung solcher „Symbole“ aus unserem eigenen Kulturkreis heraus ebenso willkürlich wie unzutreffend.

Unzutreffend, weil die Trägerinnen dies energisch von sich weisen und ihre Bekleidung selbst eher als Zeichen der religiösen Demut und des Selbstschutzes betrachten. Die allermeisten von ihnen sind weder dem Islamismus angehörig noch zugeneigt.

Genau so willkürlich könnten in unserem Kulturkreis beliebige andere Kleidungsstücke oder Utensilien zu Symbolen des Islamismus erklärt werden bzw. werden teilweise auch schon heute als solche definiert. Wie etwa das Kopftuch. Aber mit dem gleichen Recht könnten wir auch jedes bodenlanges, schwarzes Kleid, Sandalen oder den schwarzen Vollbart dazu erklären.

Woher also nehmen all diese selbsternannte (aber in ihrer politischen Haltung doch eher weniger konsequente) Verteidiger unserer freiheitlichen Ordnung das Recht, irgendwelche Kleidungsstücke willkürlich zu „Symbolen des Islamismus“ zu erklären? Etwa mit dem gleichen Recht, mit dem einst die Inquisition bestimmte Gegenstände, Kleidungsstücke, Fähigkeiten, oder gar rote Haare zu unzweifelhafte Anzeichen der Hexerei und der Häresie erklärt hat? Oder mit dem gleichen Recht, mit dem vor nicht allzu langer Zeit ebenso willkürlich bestimmte Körpermerkmale oder eine bestimmte genetische Abstammung zu unzweifelhafte Symbolen von Volksfeinde gekürt wurden?

Sicher kann man sagen, dass Vollverschleierung und Burkini nicht gerade typische Elemente unserer heimischen Traditionen und Kultur sind. Aber das waren Jazz- und Rock-Musik, Minirock, lange Haartracht bei Männern, große Tattoos oder gar Bikini und Monokini bis vor ganz wenigen Jahren gewiss auch nicht. Auch die traditionelle Bekleidung und Haartracht ultraorthodoxer Juden und manch eine andere fremde traditionelle Tracht wirken auf den Meisten unserer Mitbürgern oft befremdlich. Aber wir haben gelernt, damit zu leben. So wie die Menschen in anderen Kulturen gelernt haben die vermehrte Anwesenheit westlicher Kleidung und Verhaltensweisen in ihrem Kulturkreis zu tolerieren, ohne sie als Symbole einer unerwünschten gesellschaftlichen Haltung verbieten zu müssen.

Der gleiche Mangel an Toleranz und Weltoffenheit, der einst dazu führte, dass ich und viele anderen meiner Generation unseren schulterlangen Haaren, Parkas und Jeans wegen tagtäglich als „dreckiges arbeitsscheues Gesindel“ beschimpft wurden, wenngleich es uns weder an Hygiene noch an einer regelmäßigen Arbeit fehlte, führt heute dazu, dass Menschen mit einer hier nicht üblichen Bekleidung als potenzielle Terroristen und gefährliche Feinde der Demokratie betrachtet und verleumdet werden.

Aber eine derartig aggressive Intoleranz ist in aller Regel nichts anderes als das Symptom von einem akuten Mangel an eigenem Selbstbewusstsein und einer lediglich oberflächlichen Verankerung in der eigenen Kultur und Tradition ohne echte tiefere Integration derselben. In der Politik dient sie niemals zu etwas anderem, als dazu, mit billiger emotionaler Polemik und irrationaler Manipulation undemokratische und inhumane Ziele zu verdecken.

Von der Gefahr, die von hierzulande nicht üblichen Kleidungsstücke ausginge, bin ich alles andere als überzeugt. Von der Gefahr, die von hasserfüllter Intoleranz und emotionaler politischer Demagogie ausgeht um so mehr.

 


Nennen wir das Ganze doch „EPC“

Nein, „European Song Contest“ braucht man diese Veranstaltung echt nicht mehr zu nennen. Denn das, worauf das Ganze hinausläuft, hat nur noch am Rande etwas mit den Songs zu tun, die dort vorgetragen werden. Nennen wir das Ganze doch ehrlichkeitshalber lieber „European Polit Contest“.

Ja klar, ein Bisschen geht es auch noch um Musik. Sonst hätte der hervorragende schwedische Song „If I were Sorry“ von Frans, der einen Sieg mehr als verdient hätte, wohl kaum einen Punkt erhalten.

Frans-If-I-Were-Sorry

If I were Sorry Frans ESC Sweden

Aber wieso bekommt Jamie-Lee mit „Ghost“ von den nationalen Jurys keinen einzigen und von den Zuschauern gerade mal elf Punkten? Weder Songtext und Musik noch Vortrag war qualitativ in den unteren Rängen der Bewerber angesiedelt. Dieses beschämende Resultat war nichts anderes als eine glatte Ohrfeige: Ein Abstrafung für ein Land, dessen Regierung sich in den abgelaufenen Jahren vor allem in vielen osteuropäischen Ländern extrem unbeliebt gemacht hat. Was aber hat das mit diesem Lied zu schaffen?

Und war der ukrainischer Song etwa so herausragend gut, dass er einen rauschenden Sieg verdient hat? Seien wir ehrlich: Der Text war ein (historisch verbrämtes) rein politisches Statement (im ESC eigentlich untersagt) gegen der jüngsten russischen Krim-Politik, die Musik unbedeutend und der Vortrag grenzte an Hysterie. Mit eine Wertung im Mittelfeld wäre der Beitrag gut bedient gewesen.

Auch die Bewertung vom russischen Beitrag verdiente bei weitem nicht die ihm verliehene Punktzahl. Der Text war Pathetik pur, die Musik nichtssagend und der Vortrag strotzte nur so vor digitaler Effekthascherei. Musikalisch gesehen gehörte er im hinteren Mittelfeld. Es gab weiß Gott Besseres.

Aber um das das ging es ja nicht. Es geht im ESC offenbar nur noch darum, welches Land man einmal tüchtig einen auswischen kann und welchen Ländern man im gegenseitigen Widerstreit der europäischen Wichtigtuer-Gemeinde politisch den Daumen hochhalten mag.

Wozu aber muss man für eine derartige Polit-Veranstaltung einen derartigen Aufwand betreiben? Das erwünschte Ergebnis könnte man doch auch gut und gerne mit einer schlichten europaweiten Umfrage abrufen. Falls überhaupt nötig, denn eigentlich war das Ergebnis sowieso vorhersagbar.

Der ESC war zwar nie eine musikalische Topp-Veranstaltung. Eher eine des gehobenen Mittelmaßes im Popp-Geschäft. Aber sie zu einer derart schäbigen Politshow verkommen zu lassen, das hat sie wirklich nicht verdient.


Wozu … ?

Wozu sollte ich bei der nächsten Bundestagswahl denn CSU wählen, wenn ich auch das Original haben kann: die AfD. 


Endlich wissen wir ’s

Mehrere Medien berichten diese Tage über ein bemerkenswertes Forschungsergebnis: Man könne die Route, die Hannibal bei der Überquerung der Alpen nahm, nunmehr zurückverfolgen. Nämlich mittels der einst hinterlassene …. Pferdescheiße.

Na, wenn dás keine Nachricht ist!


Und das soll normal sein?

Die Lausitzer Rundschau titelt heute: „Auch normale Bürger schlagen zu …“

Kati Becker von den Berlin Registern berichtet, auch bislang politisch wenig auffällige Bürger aus allen sozialen und Altersschichten zeigen sich für Aussagen der organisierten rechten Szene empfänglich. Rassistisch motivierte Menschen fühlen sich inzwischen mitunter offenbar so stark, dass sie andere öffentlich angreifen und meinen, damit einen Mehrheitswillen umzusetzen.

Sabine Seyb von der Organisation ReachOut lässt wissen, dass unter den insgesamt 412 Angegriffenen in Berlin auch 42 Kinder unter 14 Jahren gewesen seien. Dokumentiert worden sei unter anderem, wie eine Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm rassistisch beleidigt und umhergestoßen wurde oder fünf Kinder vor einer Flüchtlingsunterkunft von einer Gruppe rund 30 Erwachsener beleidigt und mit einem Messer bedroht wurden. 

Während Politiker und Medien weiterhin von „besorgten Bürgern“ salbadern.

All das soll „normal“ sein? Ist es wirklich schon so weit? Hat die immer gerne wiederholte Behauptung, „solches“ könne sich in diesem Land nicht wiederholen, tatsächlich ausgedient?

Leutäää, es wiederholt sich gerade für jedermann sichtbar ganz brutal ey!

Wann werden Politiker, Journalisten und sonst immer bestens Bescheid Wissenden endlich wach? Wann werden endlich alle Flüchtlingsunterkünfte so bewacht, wie man es bei vergleichbaren Anschläge auf jüdischen Einrichtungen tut? Wann sehen wir endlich mal wirklich mächtige Demonstrationen empörter Bürger durch die Städte ziehen? Wann bilden sich endlich Bürgergruppen zum Schutz und Abwehr von Terror gegen Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer? Wann kommt endlich der bundesweit nicht mehr zu überhörende Aufschrei „SO NICHT„?

Oder ist tatsächlich die einst weltweit hoch angesehene, westeuropäische humanistische Kultur des Mitgefühls und der Solidarität mit Schwachen, Verfolgten und Leidenden erfolgreich durch die Kultur des hemmungslosen Egoismus, der gnadenlose Herzlosigkeit und des willkürlichen Hasses ersetzt worden?

Angela Merkel sagte vor einigen Monaten in diesem Zusammenhang: „Dann ist das nicht mein Land“.

Ich füge hinzu: Dann ist das nicht mehr meine Gesellschaft.

Dann bin ich hier der Fremde.